Mit dem "Aurora-Projekt" soll der Schmerz und die tiefe Verzweiflung einer Frau zum Ausdruck gebracht werden, die gewaltsam von ihrer Liebe getrennt wurde und im Schatten des Bösen gefangen gehalten wird. Die Leidensarie der Aurora "Oh, wie qualvoll mein Leid" zerfließt in Trauer und schreit nach Hoffnung und Erlösung...
Die Intimität des Leidens
Bei der Film-Premiere am 26.04. brachen einige Gäste in Tränen aus. Der Film wurde auf einer 4m x 3m Wall in 6K ausgespielt. In der Einleitung erörterte ich die künstlerischen Ambitionen des Projekts. Der Untertitel beschreibt den Aufwand: "4 months 4or 4 minutes".
Die gesamte Produktion - von der Audiotechnik bis hin zur Bühnen- und Filmtechnik wurde in der Reiman Akademie umgesetzt (Unsere Bühne ist mittlerweile auch eine flexibel einsetzbare Film-Theaterbühne).
Ziel war es, Theater & Film authentisch zu verbinden - ein bis heute äußerst schwieriges Unterfangen und bisher kaum umgesetzt. Tatsächlich scheiterten viele Ansätze mehr oder weniger, Theater, Opern oder Musicals... zu verfilmen. Raum, Zeit, Szene, Augenblick, Akustik...ist das A & O des Theaters; der Film hingegen schöpft aus der Beliebigkeit und Illusion. Pop- Giganten, wie Michael Jackson, waren da schon wesentlich weiter - Der Popsong als Gesamtkunstwerk (Musik, Tanz, Theater, Audio, Film) der Musikvideos der 80iger zählt hierbei zum Höhepunkt.
Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, dass die Leidensszene der Aurora aus einem Guss verfilmt ist - Kein Filmschnitt. Die Augen des Betrachters wandern zunächst am Körper der Frau entlang - eine sehr intime Szene - Opernglasgucker lieben es. Die Kamera folgt dem Puls der Frau, hebt und senkt sich und atmet subtil mit.
Olga weinte während der Aufnahmen. Sie war/ist die ideale Besetzung der Aurora, weil sie mir ihren Schmerz und ihr Seelenleid in die Hände gelegt hat, damit ich daraus ein Kunstwerk machen kann. - Mit insgesamt 6 aufeinander abgestimmten Mikros nahm ich ihre Stimme in unserem Studio ab (
reimanaudio.com). Vocal, Orchester, Raumsimulation...belegten über 100 Spuren/Kanäle am Audiopult.
Operngesang aufzunehmen, zählt nach wie vor zur hohen Kunst der Aufnahmetechnik. Die Klangfarbe der Stimme benötigt explizit ausgewählte, pegelfeste Mikros - Opernsänger erzeugen einen enormen Schalldruck; da kann der 08/15 Popsänger nicht ansatzweise mithalten. Ziel war es auf jeden Fall, die Intimität des Leidens und Weinens bei gleichzeitiger Intonation einzufangen. Opernregisseure und Dirigenten wissen um die Hohe Kunst dieser Balance - etwas, was der Komponist nicht in die Noten schreiben kann.
Aurora ist Opfer der Finsternis. Metaphorisch gesehen steht die Finsternis für das Böse. Aurora selbst verkörpert tiefgründige Menschlichkeit, Lebensfreude aber auch die Zerbrechlichkeit der Seele. Ihre Gegenspielerin ist die Malefiz - Symbol des abgrundtief Bösen. Das Böse geht immer absolut und planvoll vor. Es verkehrt seine Absichten zum "Guten". Das Böse konstruiert eine Welt gegen die Wahrheit. Das Böse ist tief in Okkultismus verstrickt. Die Arie der Malefiz (Mezzo/Alt): "Seht mein Reich, das ich so liebe" offenbart die okkulte Welt der Machtbesessenen.
In "Sleeping Beauty" führen Licht und Schatten einen geistlichen Kampf. Kompositorisch kommt dies u. a. durch das Wechselspiel zwischen Tonalität und Atonalität zum Ausdruck. Die Harfe nimmt in dem Werk eine besondere Rolle ein. Sie ist faktisch in die ganze Oper kompositorisch eingewoben. Sie fungiert entweder als Auffangnetz (Symbol Engel) oder als Spinnennetz (Symbol Dämon). In "Oh, wie qualvoll mein Leid" steht die Harfe der Aurora zur Seite.
Die Oper "Sleeping Beauty" komponierte ich 1997. Das Werk ist für großes Orchester geschrieben und dauert ca. 2 Stunden lang. Abgenommen wurde es von meinem langjährigen Lehrer Maestro Dusan Miladinovic, ehem. Direktor und Chefdirigent der Belgrader Staatsoper, unter dessen Federführung auch die Uraufführung 1997 stattfand.